Search

Der blinde Fleck in der Qualitätssicherung

Das Vorgehen und die Prinzipien der Qualitätssicherung sind einfach. Trotzdem gibt es Bereiche, in denen die Prinzipien versagen. Nach einem Jahr Corona wäre es höchste Zeit für systematische Vergleiche zwischen Regionen mit unterschiedlichen Massnahmen. Warum fehlen diese bis heute?


Qualitätssicherung begegnet uns an vielen Orten und ist auch nicht so kompliziert. Erfahrungswissen wird in Normen festgehalten und es werden Kontrollpunkte definiert, gemessen und dokumentiert. Wenn Abweichungen auftreten, müssen Massnahmen eingeleitet werden. William Edward Deming hat dazu in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ein sehr einfaches Konzept entworfen, das bis heute sehr beliebt ist und seinen Namen trägt: Der Deming-Cycle oder Demingkreis. Deming teilt das Handeln in vier systematisch aufeinanderfolgende Abschnitte ein: «Plan» für die Planung, «Do» für die Umsetzung, «Check» für das Prüfen der Ergebnisse und «Act» für das Einleiten von Korrekturmassnahmen. Das Konzept ist bis heute so beliebt, weil es zu gleich einfach und überzeugend ist.

Nun sind wir alle etwas eitel. Wer macht schon gerne Fehler? Diese Grundtendenz verleitet uns dazu, eigene Fehler lieber zu übersehen oder zu vertuschen. Diese Tendenz, nicht richtig hinzuschauen, führt immer wieder zu blinden Flecken. Nicht erkannte Fehler werden wiederholt und sind darum die teuersten oder schlimmsten Fehler von allen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, baut man eine Qualitätskultur auf: Bei den Leitsätzen heisst es dann immer wieder: „Fehler machen ist nicht schlimm, Fehler wiederholen hingegen schon.“ oder „Wer einen Fehler entdeckt, hilft dem Unternehmen besser zu werden und wird belohnt.“

Es gibt aber auch Bereiche, in denen das nicht gelingen kann, weil ein einzelner Fehler schwerwiegende Folgen haben kann. Wenn ein einziger Fehler ein Leben in Gefahr bringt, kann man nicht sagen: „Fehler machen ist nicht schlimm“. Daraus entsteht das Risiko, dass Fehler vertuscht und verschwiegen werden. Auch andere, die den Fehler beobachten, schweigen aus Angst vor Repression oder aus Angst, dem Kollegen oder der Kollegin zu schaden. Im Spitalmanagement ist dieses Problem bekannt. Um dennoch zu einer Qualitätskultur zu kommen, wurden in den letzten Jahren spezielle Systeme etabliert, mit denen Fehler oder auch nur Beinahe-Fehler als kritisches Ereignis anonym gemeldet werden können. Die Meldungen aus diesen „Critical Incident Reporting Systems“ (CIRS) werden von einer speziellen Arbeitsgruppe regelmässig ausgewertet. So wird sichergestellt, dass aus Fehlern gelernt werden kann, auch wenn diese Fehler nur dank einer anonymisierten Meldung berichtet werden.

In der Politik greift dieses System leider nicht. Fehler machen ist fatal. Sofort sind die politischen Gegner auf dem Plan, die nur darauf gewartet haben, einen Fehler zu finden. Also gilt: Durchhalten, Aussitzen und Schönreden! Das höchste wäre noch einzugestehen, dass es unterschiedliche Ansichten und Meinungen gibt, aber einen Fehler einzugestehen, um diesen zu korrigieren - undenkbar. Der Fehler wird vertuscht, bis alles vergessen ist oder die Schuld wird auf einen Sündenbock geladen, den man dann in die Wüste schicken kann. In der Konsequenz heisst das aber auch, dass das einfache System von William Edward Deming mit den vier Schritten „Plan - Do - Check - Act“ in der Politik keine Anwendung findet.

Die Schweiz hat im März 2021 zum grossen Entsetzen unserer Nachbarn die Terrassen geöffnet und Deutschland hat in der gleichen Zeit Ausgangssperren verhängt. Nach den Prognosen der Task-Force und der Darstellung gewisser Medien hätte wir in der Schweiz jetzt alle an der britischen Variante sterben müssen und das Überleben wäre nur in Deutschland möglich gewesen. Die Task Force lag wieder einmal falsch, wie schon so oft. Jetzt müsste man eigentlich erwarten, dass ein umfassender Vergleich zwischen Ländern und Regionen mit unterschiedlichen Massnahmen die Wirksamkeit der Massnahmen analysiert. Dann würde man erstaunt feststellen, dass Florida nie eine Maskenpflicht hatte und schon sehr früh die «Stay at home order» fallen liess. In Kalifornien mit sehr strikten Massnahmen gingen 50% mehr Stellen verloren als in Florida, aber ein grosser Vorsprung in der Infektionskontrolle kann nicht festgestellt werden. Texas, welches die Masken schon Anfang März fallen liess, steht sogar besser da als New Mexico, welches an den Masken festgehalten hat. Ein systematischer Vergleich wäre etwas aufwändiger, aber das scheint niemand wissen zu wollen.

Betrachtet man die Schäden, die im letzten Jahr mit den Massnahmen verursacht wurden, wird die Forderung nach einer Aufarbeitung nicht so schnell abklingen. Vorerst gilt es, unseren Kindern und Jugendlichen eine Chance auf ein normales Leben zu gönnen. Um die Aufarbeitung können wir uns dann anschliessend kümmern. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist ein beherztes Nein zum Covid-19 Gesetz am 13.6.2021.